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Village City – Zukunftsmodell urbanen Zusammenlebens

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Gott war ein Bayer. Man braucht nur über das hügelige Alpenvorland westlich von München zu wandern, da wo der Himmel die Erde küsst, um sich davon zu überzeugen. Wenn man droben die alten Dörfer sieht, wie sie ihren Gang gehen, als kennten sie die Zeit nicht, dann versteht man, warum es ihn hierher verschlagen hat. Es sind die grünen Weiden, die goldenen Felder und die alten Bauernhöfe, wo Kühe gemächlich ihr Heu kauen und Ziegen auf der Koppel meckern. Wo der Hahn um halb fünf auf den Misthaufen steigt und alle aus den Federn plärrt. Wo man mit der Blechkanne zum Hof marschiert und sich seine Milch zum Frühstück holt. Wo der Wirt und das Vereinsheim Institutionen der Gemeinschaft sind. Wo die Feuerwehr, die Schützen, die Kirche und alle Vereine am Dorfplatz ihre Aushänge machen und jeder Bescheid weiß, was es bald zu tun gibt. Wo es noch immer alte Bräuche gibt. Das Maibaum Aufstellen,

Maibaum Klauen, das Osterfeuer, Kirchweihfest. Es gibt zwei Arten von Gesellschaften: Die Großen und die Kleinen. Die Großen basieren auf normativen Werten. Man gehört dazu, weil man Corona-Befürworter oder Gegner ist. Weil man Feminist, Elitist, Kapitalist, Spiritist, Liberalist oder Saubeutel ist. Abgesehen davon, braucht man nichts weiter miteinander zu tun zu haben. Die kleine Gesellschaft ist ehrlicher. Sie basiert auf Herkunft, Lokalität, kultureller Identität, persönlicher Bekanntschaft und Tradition. Man mag sie auch Nachbarschaft oder Dorfgemeinschaft nennen und sie kann da entstehen, wo eine hinreichende Anzahl von Menschen die Möglichkeit erhalten, sich selbst in das Narrativ dieser Gemeinschaft zu integrieren. Es gibt ja das Internet. Man könnte meinen, alles wäre schon getan. Aber weit gefehlt! „Alles, was wichtig ist – 500 Meter um meine Haustür herum!“ ist leider keine Suchoption.


Die bayrische Dorfgemeinschaft hat einen Dorfplatz und da gibt es Anzeigentafeln und das Vereinsheim. Alles, was es in der Dorfgemeinschaft zu wissen und zu berichten gibt, findet man hier. Das Vereinsheim ist eine Lokalität, die alle Vereine, Initiativen, etc. nutzen können, um Versammlungen abzuhalten. Im Westend könnte das Heim und die Anzeigentafeln am Gollierplatz errichtet werden, wo auch Platz ist. Dieses Vereinsheim und seine Webseite stellen den zentralen Anlaufpunkt für alle Menschen dar, die sich in die Nachbarschaft integrieren wollen. Hier wird über Aktionen, Bündnisse, Vereine, relevante soziale Medien und so weiter informiert. Über das Vereinsheim vertritt sich die Gemeinschaft eines Stadtviertels gegenüber der Stadtverwaltung und organisiert sich in sinnvollen Bündnissen und Vereinen, welche die gemeinsamen Interessen vorantreiben. Weitere Potentiale liegen im „Dorf in der Stadt“. Wenn das Westend auch ein schönes Viertel ist, wurde es nicht mit Naturverbundenheit und

Ästhetik im Sinn erbaut, sondern mit Platznot, Zweckmäßigkeit und dem zentralen Gedanken, dass man hier ja nur wohnt. Der letzte Gedanke hat wohl wie kein anderer zu Stadtgebieten geführt, wo gewohnt wird und eben nicht gelebt. Im Westend gibt es zunächst ein großes Platzproblem, weswegen man schon mit Konzepten, wie den „Sommerstraßen“ spielt. Diese provisorischen Spielstraßen haben durchaus Erfolg bewiesen und zu diversen Fuß- und Federballspielen geführt. Probleme waren teils Konflikte über Lärm mit den Anwohnern und natürlich die provisorische Natur. Man löst das Kultur- und Zugehörigkeitsproblem, das Menschen in der Stadt haben, nicht mit Provisorien. Damit ein Gefühl der Ortsverbundenheit und kultureller Identität entstehen kann, braucht es Kontinuität und Originalität. Parklets, Sommerstraßen, grüne Dingsbums. So gut diese Ansätze auch gemeint sind, am Ende des Tages sind sie für den, der Kultur und Zugehörigkeit sucht, wie ein Besuch im Laden einer Franchise-Kette. 


Was es braucht, sind reale Orte, wo reale Menschen mit Hand, Fuß und Gesicht sich begegnen und das Gefühl entwickeln können, mit der Erde verbunden zu sein auf der sie stehen. Im Westend bieten sich hier die Hinterhöfe an. Große und kaum genutzte Hinterhöfe gibt es zum Beispiel in einigen Blocks der Gollierstraße, Tulbeckstraße und Westendstraße. Diese Hinterhöfe sind aktuell mehr oder weniger als Kinderspielplätze angelegt – mit zwei drei armseligen Geräten, die man dann doch nicht nutzt, weil es irgendwie zu traurig ist, sich da alleine hinzusetzen. Man könnte deutlich mehr aus diesen Hinterhöfen machen. Auch während man darauf achtet, dass die Lärmbelästigung für die Anwohner nicht zu groß wird. Konkret wäre beispielsweise zu denken an: a) Nutztierhaltung mit Ziegen, Hühnern, Schafen. Die Lärmbelästigung hält sich hier sehr in Grenzen und viele Eltern und Kinder sollten sehr froh darüber sein, dass sie solche Tiere direkt vor der Haustüre haben.

Zudem würden sicher etwas Milch, Eier, Käse abfallen und auch das würden sicher viele Leute gerne kaufen. Die Sattlerei in der Ligsalzstraße würde sich sicher anbieten, aus den Schafsfellen Decken oder andere Textilien zu fertigen. Der Aufwand, die Stallungen zu errichten und zu unterhalten müsste zu bewältigen sein und man hätte ein bisschen wachsende und weiter formbare reale Welt geschaffen, mit der Menschen sich verbunden fühlen können.
b) Ausgestaltung als Kulturflächen. Manchem dürfte der Rosengarten an den Isarauen ein Begriff sein. Dieser wunderschöne Garten ist in der Regel zwischen 7:00 und 21:00 Uhr geöffnet und erfreut in dieser Zeit seine Besucher mit grüner Wiese, Bänken, schönen Hecken und bunten Blumen. Die Lärmbelästigung, die von so einem Garten ausgeht, ist vernachlässigbar – die Menschen gehen zum Beispiel gerne zum Lesen hin oder einfach um sich in die Sonne zu legen. Obendrauf kann man die erlaubten Besuchszeiten einschränken, wie es für die Anwohner erträglich und zumutbar ist.


c) Gärtnern und Ackerbau. Es wäre leicht machbar, Beete anzulegen, wo die Anwohner nach Wunsch eigenes Gemüse und Pflanzen anbauen können. Wer welche Fläche erhält, könnte in einer Veranstaltung des Vereinsheims kultur- und gemeinschaftsfördernd ausgelost werden. Viele Damen und bei Genuss auch Herren, würden das sicher sehr schätzen.
d) Veranstaltungen. Selbst ohne riesige Veränderungen, wäre es möglich, die Hinterhöfe für Veranstaltungen, zum Beispiel Hinterhoffeste zu nutzen. Diese Feste sind eigentlich eine Tradition im Westend, die über die Zeit leider in Vergessenheit geraten ist. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren sie wohl institutionell. Insbesondere der Hinterhof in der Tulbeckstraße 46 wird hier zitiert. Er ist heute leider nicht mehr so groß, wie damals.
e) Hinterhofgebäude. Einige der Hinterhöfe sind groß genug, dass man darin weitere Gebäude anlegen könnte, die dann für sozial-kulturelle Zwecke zur Verfügung stehen. Konkret wäre an Jugendheime und Galerien zu denken. Jugendheime gibt es häufig draußen am Land. Es sind weitgehend selbst verwaltete Räume, wo die Herrschaften sich in halbwegs

koordinierter Weise miteinander betätigen können. Dort wird abgehangen, es werden LAN-Parties veranstaltet, Parties oder Band-Gigs. Auch, wenn die Erwachsenen sich meistens über den Zustand dieser Räume ärgern, ist es ihnen doch lieber, kistenweise Spezi zu finanzieren, als leere Bierdosen im Dixi-Klo hinterm Asylantenheim zu finden. Galerien wären eine weitere Möglichkeit für kulturelle Einrichtungen. Hier verlässt man etwas das Dorfnarrativ. Aber wir wollen hier niemand rechts überholen. Allen diesen Vorschlägen ist gemein, dass sie eine Abstimmung mit den Hausbesitzern und Anwohnern erfordern. Im Westend werden die Hausbesitzer häufig Genossenschaften sein, die zu überzeugen sein müssten, wenn man die Anwohner für sich gewinnt. Man müsste den Anwohnern ein konkretes Projekt mittels gezieltem Briefkasteneinwurf vorstellen und sie dazu bewegen, ihr Einverständnis zu geben. Je mehr diese sich einbezogen fühlen und den gemeinschaftlichen und nachbarschaftlichen Gedanken verstehen, der diesen Unternehmungen zugrunde liegt, desto leichter sollte man sie überzeugen können.


Hilfreich wäre es sicher, ein Vereinsheim am Gollierplatz zu haben, wo man die ganze Initiative am schwarzen Brett in aller Breite erklären kann. Wenn sie sich so ein eigenes Bild machen können und dann sogar noch in allen Würden und Ehren persönlich zu einer Abstimmung dorthin eingeladen werden, dürften einige ganz fiese Grantler am Ende doch ihr Einverständnis geben. Allein der Bau eines Vereinsheims, Dorfzentrums oder wie auch immer man es nennt, sollte sowohl im Stadtbezirk 8 als auch darüber hinaus sehr regen medialen Widerhall finden und ausgezeichnet zu dem basisdemokratischen Gedanken passen, welcher der Zusammenarbeit der Bezirksausschüsse mit den Bürgern innewohnt. Es wäre ein Projekt, das frischen Wind in die Segel seines Trägers brächte und genug Aufsehen, dass weitere Projekte, wie die Nutzbarmachung der Hinterhöfe in Angriff genommen werden können. Das Beste, was passieren könnte, wäre, dass eine gesunde Konkurrenz zwischen den Stadtbezirken entsteht und alle die beste Dorfgemeinschaft haben wollen. Mit dieser Energie sollten die Dörfer in der Stadt erblühen.

Wie man zur Wahrheit kommt: Corona 2020 ≈ Grippe 2018

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Lügenpresse, Verschwörungstheorien, Politikverdrossenheit, Ideologiekonjunktur. Verschiedene Namen ein und desselben Schreckgespensts: Man weiß einfach nicht, wie man zur Wahrheit kommt.

Als Grund für den Wildwuchs kompensatorischer Mechanismen der Wahrheitsfindung wird gelegentlich die Ausrede angeführt, der Einzelne könne der Flut von Informationen nicht mehr Herr werden. Das mag sein. Die Idee der funktional ausdifferenzierten Gesellschaft ist aber nicht, dass jeder alles überprüft, was gesagt wird, sondern dass jeder einen gewissen Teil überprüft und in Kooperation mit anderen ein Gesamtbild erstellt. Weder das Eine, noch das Andere finden im Augenblick statt. Der Einzelne überprüft wenig oder nichts und wo Kooperation stehen sollte, findet man Rechthaberei und den Wunsch andere mundtot zu machen.

Als Ersatz für die Wahrheit füllen zunehmend Narrative den öffentlichen Diskurs. Narrative sind interpretierende und häufig vereinfachende Darstellungen von Sachverhalten in Erzählform, die einen Legitimitätsanspruch erheben. Was in Bezug auf einen Bericht die Anerkennung eines Sachverhalts ist, stellt in Bezug auf ein Narrativ die Identifikation mit einer der enthaltenen Rollen dar. Man kann vielleicht etwas überspitzt aber nicht unsachgemäß sagen: Seit einiger Zeit lässt sich eine Gesellschaft von erwachsenen Menschen mit Wahrheitsfindungsformen abspeisen, die eigentlich für Kinder gedacht sind. Damit nicht genug.

Man identifiziert sich derart mit den vorgestellten Rollen, dass man die Welt anhand ihrer in Lager aufteilt und darüber in einen Streit von prophetischem Ausmaß verfällt. Soziale Gerechtigkeit, Politische Korrektheit, Emanzipation, Donald Trump: Alles Schauplätze von Heiligen Kriegen, auf denen sich die Heerscharen vom Teufel und seinem Gärtner mit Mistgabeln und brennenden Fackeln bewaffnet gegenüberstehen. Wenn man in den Sog eines dieser Schlachtplätze gerät, muss man eine binäre Entscheidung treffen: Teufel oder Gärtner, um sich dann wahllos der propagandistischen Doktrin einer Kriegsmaschinerie zu unterwerfen. Vernunft und kritische Fragen sind unter Strafe von Denunziation, Anzeige und Schmähung verboten. Jüngst ist es die Pandemie, die das Gelobte Land Slapstick artig in Corona-Befürworter und Corona-Gegner teilt, die sich in einem Heiligen Krieg an die Gurgel gehen. Das eigentliche Bedürfnis, das man hier zu befriedigen sucht, liegt auf der Hand.

Noch 1960 lag der Anteil der Kirchenmitglieder in der Bundesrepublik bei 93.7%. Im Jahr 2019 war er bereits auf 52.1% gefallen [1]. Die Evangelische Kirche Deutschland geht von einer weiteren Halbierung der Mitgliedszahlen bis 2060 aus [2]. Das Erzbistum Essen zeichnet in einer 2018 veröffentlichten Studie mit dem Titel „Kirchenaustritt – oder nicht? Wie Kirche sich verändern muss“ ein Stimmungsbild: „Schafft bitte die Kirchensteuern ab!“, „Die Kirche hat meine Lebenswirklichkeit und Spiritualität nicht berührt.“, „Ich fühle mich nicht mehr aufgehoben, da alle Kirchen in unserem Umkreis geschlossen wurden.“,


„Ich bin Mitglied, weil ich später kirchlich heiraten will.“, „Die Kirche muss moderner und offener werden. Gott möchte, dass wir alle lieben und leben, so wie wir möchten.“, „Meist werden Erwachsene erst wieder zu Kirchenbesuchern, wenn sie selbst Kinder haben. In den Jahren davor, fühlt man sich nicht willkommen.“, „Unter den Gemeinden gibt es ein katastrophales ‚nicht über den Tellerrand gucken‘.“, „Ich brauche kein Pfarrfest mit Würstchen. Ich will etwas über Glauben wissen, aber dafür hat keiner Zeit!“ [3].

Bis zur Aufklärung, also um das 18. Jahrhundert, waren in Europa kirchliche und staatliche Angelegenheiten bekanntlich untrennbar miteinander verbunden. Erst die Säkularisierung führte zur Trennung von Kirche und Staat. Der Vorteil dieser Trennung ist, dass die ideologischen Überzeugungen, religiöser Weltanschauungsmodelle keinen Anspruch auf weltliche Durchsetzung haben und damit theoretisch mehr Menschen unterschiedlicher Couleur und Überzeugung zusammen in einem Staat leben können. Der Nachteil ist, dass ein signifikanter, wenn nicht zentraler Teil des menschlichen Empfindens keinen Anspruch auf weltliche Verwirklichung hat. Dadurch entsteht Schmerz. Es braucht nur einen Sündenbock, damit daraus Hass wird: Die Sphäre religiöser Empfindung ist dem Menschen, wie Lorbeer und Fackel dem Sieg. Man muss in aller Weisheit überlegen, was passiert, wo diese Energien nicht in die richtigen Bahnen gelenkt werden.

Die steigende Zahl von Kirchenaustritten korreliert mit der Zunahme von Yogakursen, Öko-Spiritismus und einer Vielzahl weiterer mehr oder weniger seriöser Quellen seelischen Heils. Die religiöse Diaspora des christlichen Abendlandes versprengt

seine Anhänger in immer zerklüftetere Landschaften kultureller Identität. Die daraus resultierenden Glaubenskriege werden, in der Ermangelung eines geeigneten Raumes, in der Sphäre des öffentlichen Diskurses der Wissenschaftlichen Gesellschaft ausgetragen und stören dort mit ihrer Willkür Wahrheitsfindungsprozesse, die a) eigentlich ganz klar geregelt, b) überhaupt nicht religiös oder ideologisch, c) deren Ziel faktenbasierte individuelle Standpunkte, d) und eben nicht narrative Rollenbilder sind.

Bezogen auf den Wahrheitsfindungsprozess der Wissenschaftlichen Gesellschaft, ist klar geregelt, wie man zum Ziel kommt. Um dies zu veranschaulichen, führen wir uns eine realitätsnahe Frage vor Augen:

Gibt der PCR-Test ein adäquates Bild der mit dem SARS-CoV-2 Virus infizierten Menschen in der Bundesrepublik Deutschland?

Eine sehr realitätsnahe Form der Wahrheitsfindung findet man in den Ingenieursberufen, wo es letztlich immer darum geht, etwas zu konstruieren und sich anschließend zu fragen, ob die Erfindung gut genug ist. Man hat also auf der einen Seite ein Objekt, beziehungsweise ein Herstellungsverfahren und auf der anderen Seite eine Auswertung dessen Funktion. Die Auswertung erfolgt, indem man Fragen über das Objekt und seine Konstruktion stellt. Etwa: Erfüllt es seinen Zweck? Könnte man es noch verbessern? Gibt es negative Seiteneffekte? Mit diesen Gedanken gerüstet, hat man also zwei Punkte, bei obiger Frage anzusetzen.

I. Das Testverfahren selbst
II. Die Auswirkung seiner Anwendung

I. Das Testverfahren muss seiner Konstruktion nach geeignet sein, eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 Virus


nachzuweisen. Die Gegenwart von SARS-CoV-2 Viren in einer Probe muss zuverlässig, also
1) mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden
2) unter Ausschluss eines positiven Tests aufgrund anderer Viren
3) unter Ausschluss eines positiven Tests bei nicht vorhandener Infektion mit SARS-CoV-2.

So gewappnet, kann man die Recherche beginnen und findet.
a) PCR-Tests in der Diagnostik werden aufgrund der Möglichkeit falscher Positivergebnisse grundsätzlich nur zusammen mit einer symptomatischen Diagnose empfohlen [4].
b) Der SARS-CoV-2 Test der Firma Roche testet grundsätzlich auf zwei Gene, orf1 und e-gen, wobei nur das orf1 spezifisch für SARS-CoV-2 ist, das e-gen auch in anderen Coronaviren vorkommt [5].
c) Aufgrund von a) allein gilt bereits, dass je mehr Menschen getestet werden, desto mehr fälschlich positiv getestet werden.

Man könnte diese Liste sehr lang machen. Aber das ist nicht nötig, insbesondere nicht, wenn man kein Experte auf dem Gebiet ist. Was man aber auch als Nicht-Experte bereits verzeichnen kann und muss, ist, dass konkrete und begründete Zweifel an der Eignung des aktuellen PCR-basierten Testverfahrens bestehen. Die konkreten Forderungen, denen Verantwortungsträger gegenüberzutreten haben, lauten:
a) PCR-Tests nur im Zusammenhang mit symptomatischer Diagnose
b) Es darf nur auf SARS-CoV-2 spezifische Gene getestet werden
c) Die Infektionszahlen müssen ins Verhältnis zur Anzahl vorgenommener Tests gesetzt werden, um ein akkurates Bild des Fortschreitens der Infektion in der Bevölkerung zu geben.

II. Dis Auswirkung des Tests ist statistisch zu erfragen. Konkret möchte man erfahren,
a) wie viele Menschen getestet wurden
b) wie viele davon positiv/negativ
c) wie viele von den positiv getesteten tatsächlich mit SARS-CoV-2 infiziert sind/waren
d) wie viele von den negativ getesteten trotz negativen Tests mit SARS-CoV-2 infiziert sind/waren
e) ob die verhältnismäßige Zahl von tatsächlich Infizierten im Verhältnis zu den, sagen wir wöchentlich getesteten Menschen, im Moment wesentlich höher ist, als sie es im März/April 2020 war.
f) ob die Zahl von tatsächlich Infizierten im Verhältnis zu den wöchentlich getesteten Menschen höher ist als die der Grippeinfizierten der jeweiligen Wochen im Jahr 2019.

Bei der nachfolgenden Recherche wird man feststellen, dass die notwendigen Zahlen nicht zur Verfügung stehen, genau genommen, dass keine einzige der Zahlen a), b), c), d) e) und f) bekannt ist. Mit diesem Befund kann man schlecht zufrieden sein und die Verantwortlichen, sprich das RKI, die Bundesregierung und die Medien als Mitwisser und Mittäter werden sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, ihrer Aufgabe in diesem Punkt mitnichten gerecht zu werden.

Behelfsweise, nur um eine erste Idee zu bekommen, was tatsächlich vor sich geht, kann man aber einen Blick auf die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Sterbefallzahlen [6] werfen und dabei die monatsweisen Sterbefälle der letzten Jahre vergleichen. In Ermangelung besserer Information kann man so zumindest etwas Klarheit schaffen. Betrachtet werden die Jahre 2018, 2019, 2020.



Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember

Gesamt

2018
84937
85799
107104
79539
75648
69328
75605
78370
69708
74039
74762
80999

954874

2019
85105
81009
86739
77410
75669
73483
76926
73444
71022
77066
78378
83329

939529

2020
85376
80003
87432
83825
75742
72107
73711
78569
73888
79207
84480



Beim Vergleich 2019 und 2020 fallen zunächst die Monate April, August und November auf, in denen die Sterbezahlen 2020 höher sind. Dezember 2020 liegt leider noch nicht vor.
Der höchste monatliche Differenzwert beim Vergleich 2019 und 2020 fällt auf den Monat November und ergibt einen Unterschied von 6102 Toten.

Diese Beobachtung nennen wir a).

Um diesen Wert einzuordnen vergleichen wir ihn mit anderen Differenzwerten.
b) Dem vom März 2018 und 2019, welcher sich zu 20365 ergibt. Man muss wissen, dass in diesem Monat die Grippewelle 2018 besonders hart zuschlug.
c) Dem vom Juli 2019 und 2020, welcher sich zu 3125 ergibt.
d) Dem vom August 2018 und 2019, welcher sich zu 4926 ergibt.
e) Dem vom April 2019 und 2020, welcher sich zu 6415 ergibt.
Es fehlen noch die Sterbefälle für den Monat Dezember 2020. Um eine Idee der absoluten Sterbefälle 2020 zu

bekommen, wird der in a) beobachtete Differenzwert von 6102 Toten noch einmal um 50% erhöht. Damit hätte man im Dezember 92482 Tote. Der hypothetische Differenzwert f) für Dezember 2019 und 2020 ergäbe sich so zu 9153. Addiert man e), a) und f), also genau die Monate in denen Covid-19 angeblich zuschlug, kommen wir auf ein Plus von 21670 gegenüber 2019. Vergleicht man diesen Wert nun mit b), der die Härte der Grippewelle 2018 ausdrückt und bei 20365 steht, muss man konstatieren, dass in absoluten Sterbezahlen gesprochen die Corona-Pandemie 2020 in Deutschland wohl etwa so viele Tote hervorbrachte, wie die Grippewelle 2018. Hinterher ist man immer schlauer, aber es ist klar zu sagen: Vor dem genannten Hintergrund erscheinen die aktuellen Schutzmaßnahmen vollkommen verhältnislos.

Eine Frage der Wissenschaftlichen Gesellschaft wurde beantwortet. Eine Frage der Menschlichen Gesellschaft und damit auch der Religiösen bleibt bestehen. Man wird sich in den kommenden Jahren wohl einmal mehr überlegen müssen, wie man den Wissenschaftlichen Weltherrschaftsanspruch mit dem Grundbedürfnis religiöser Weltanschauung vereinen kann. Der Autor des Textes, die Sphäre seiner eigenen religiösen Empfindung ganz nach Innen verlagernd, in hoffnungsvoller, oft trauriger Suche vor der Tür, hofft inständig, diese Stellungnahme werde wissenschaftlich aufgefasst, denn ihm ist bewusst, dass Propheten im eigenen Land nicht verehrt, sondern gesteinigt werden.

Zuletzt ein Appell: In diesem Artikel wurden weder Corona geleugnet, Tote oder Hinterbliebene geschmäht, noch Verschwörungstheorien aufgestellt. Darin ist die Wahrheitsfindung von Religion und Wissenschaft gleich: Man muss in aller Demut und Hingabe vor Allem bei der Sache bleiben.

[1] Bundeszentrale für pol. Bildung.
[2] Evangelische Kirche Deutschland.
[3] Bistum Essen.
[4] Corman-Drosten Review Report.
[5] Roche.
[6] Statistisches Bundesamt.