Not macht erfinderisch: Wie der Westend-Musiker Titus-Waldenfels den Lockdown überlebt

Wohnzimmerkonzert am 13. Januar 2021

Seit 1993 wohnt der gebürtige Schwabinger Titus Waldenfels, damals 24-jährig im Stadtbezirk 8 und ist inzwischen so tief verwurzelt, wie wohl wenige sonst. Der Westend-Cowboy hatte schon als Bub in zahlreichen Schülerbands gespielt, aber nach seinem Umzug mischte er die Jazz- und Blues-Szene so richtig auf. Er spielte im Grünen Eck in Giesing, im Nachtcafé, auf dem Tollwood, im Stragula. Bald in ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Vereinigten Staaten. Er arbeitete mit Musikern, wie George GreeneTony Ramos und Monty Waters und gehört bis heute gelegentlich zur Live-Besetzung von Embryo, einer der ganz erfolgreichen Krautrock-Bands. Er gehört zu den wenigen Musikern, die allein von der Musik leben können. Zumindest war das bis vor einiger Zeit so. Panorama hat ihn gefragt, wie es ihm zuletzt ergangen ist.

Panorama: Ein Jahr Pandemie. An welchem Punkt waren Sie vor einem Jahr? Was wahren Ihre Pläne?
Titus Waldenfels: Vor einem Jahr hatte ich einen Kalender voll mit Live-Auftritten überall in Deutschland. Auch in Österreich, der Schweiz, Tschechien und sogar in den USA.

Panorama: Wie hat sich das Jahr dann für Sie ereignet?
Titus Waldenfels: Auf einen Schlag habe ich meine komplette Arbeit verloren, auch wenn während des Sommers einiges zurück kam oder aufrecht erhalten werden konnte. 

Panorama: Seit einiger Zeit sind Sie Gastgeber einer Reihe von Musik-Veranstaltungen im Online-Format. Wie kam es dazu? Wie haben Sie angefangen?
Titus Waldenfels: Das begann in der allerersten Woche des Lockdowns im März. Andrea Pancur gab den Anstoß. Wir wollten nicht untätig bleiben und auch für uns diese Zeit ein wenig dokumentieren. 

Panorama: Mit welchen Formaten haben Sie experimentiert? Was kommt gut an, was weniger?
Titus Waldenfels: Es sind entweder Konzerte oder Lesungen mit Musik. Meist in meinem Wohnzimmer, gelegentlich in anderen Räumen. Es wird von etlichen Leuten gesehen. Anfangs oder manchmal immer noch gibt es technische Probleme, wir lernen vieles auch gerade erst. Aber die Leute bleiben bei uns.

Panorama: War es schwierig ein Netzwerk aufzubauen? Welche Art von Leuten haben Sie nun um sich geschart?
Titus Waldenfels: Ein Netzwerk habe ich schon immer. Manche Kolleg*innen sind eher bereit, sich auf die Online-Welt einzulassen, andere weniger. Es sind durchweg Musiker*innen und Schauspieler*innen. 

Panorama: Wie sind Sie mit Ihrer aktuellen Situation zufrieden? Können Sie von den Online-Einnahmen leben?
Titus Waldenfels: Natürlich bin ich nicht zufrieden. Aber der einzig akzeptable Weg ist für mich, das Beste daraus zu machen und zu sehen, wo und wie sich Neues entwickeln lässt. Ich habe im vergangenen Jahr einiges an Spenden bekommen. Das trägt mich momentan. Ich bezweifle, ob sich aus Online-Auftritten ein volles Einkommen generieren lässt, 30% wären aber schön.

Panorama: Wie schätzen Sie die Corona-bedingte Situation um uns herum ein? Sind wir noch auf dem richtigen Weg?
Titus Waldenfels: Es wurde ein bestimmter Weg gewählt, den ich nicht in kompetenter Weise beurteilen kann. Ich kann nur sagen: Es gibt kein Zurück mehr. 

Panorama: Wo sehen Sie sich in einem Jahr?
Titus Waldenfels: Als Musiker mit einem neuen zweiten Standbein im Online-Bereich. 


Auf seiner Webseite unterhalb des Menüpunktes Wohnzimmerkonzerte & Streamings kann man sich die kommenden Veranstaltungen des Musikers anschauen. Auf seinem Youtube-Kanal und auf Facebook wird live übertragen. Ein Blick auf die Aufzeichnungen lohnt sich.